{"id":4587,"date":"2020-07-18T15:32:04","date_gmt":"2020-07-18T15:32:04","guid":{"rendered":"http:\/\/bure3iqeqde7ynpluyuubochndt33wwsbkmo7kgf32bmli4zigjwvzid.onion\/?p=4587"},"modified":"2021-01-04T15:59:50","modified_gmt":"2021-01-04T15:59:50","slug":"g20-2-prozesserklarung-von-loic-elbchausseeprozess-9-juli-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bureburebure.info\/de\/g20-2-prozesserklarung-von-loic-elbchausseeprozess-9-juli-2020\/","title":{"rendered":"(G20) 2. Prozesserkl\u00e4rung von Lo\u00efc | Elbchausseeprozess 9. Juli 2020"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/unitedwestand.blackblogs.org\/2-prozesserklaerung-von-loic-elbchausseprozess-9-juli-2020\/\">https:\/\/unitedwestand.blackblogs.org\/2-prozesserklaerung-von-loic-elbchausseprozess-9-juli-2020\/<\/a><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><strong>\u00bbKEINE POLIZEI, KEINE PROBLEME\u00ab<br \/>\n<\/strong><br \/>\nSo werde ich nun mit vier Jahren und neun Monaten Haft ohne Bew\u00e4hrung bedroht \u2013 bei sofortigem erneuten Haftantritt. Drei Jahre dieser Strafandrohung entsprechen nicht Taten, deren Autor ich gewesen sein soll, aber zu deren Komplize ich gemacht werde.<\/p>\n<p>Die meisten Leute sind keine Fans der G20. Es gab auch keine einzige Demo f\u00fcr die G20 in Hamburg, au\u00dfer vielleicht die der 30.000 PolizistInnen, die beschlossen hatten, jeglichen Verkehr zu verbieten, au\u00dfer f\u00fcr die Polizei und die Luxusfahrzeuge der GipfelteilnehmerInnen.<\/p>\n<p>Als ich auf YouTube eine f\u00fcnfzehnmin\u00fctige Zusammenfassung der Polizeigewalt des G20 von Hamburg ver\u00f6ffentlichte, sah ich bei meiner Recherche, dass Olaf Scholz, ehemaliger B\u00fcrgermeister der Stadt, erkl\u00e4rt hatte: \u00bbDiejenigen die Gewalt ausge\u00fcbt haben, sind weder die Polizisten noch die OrganisatorInnen des Gipfels\u00ab. Doch wenn es ausreicht eine L\u00fcge zu bekr\u00e4ftigen, um sie wahrzumachen, dann sollten Sie wissen, dass ich nie beim G20 Gipfel in Hamburg gewesen bin.<\/p>\n<p>Ich denke dieses Verfahren w\u00fcrde viel schneller gehen, wenn die Anklage sich auf die Taten beschr\u00e4nken w\u00fcrde, derer die Angeklagten pers\u00f6nlich beschuldigt werden. Diese neuen Begrifflichkeiten der \u00bbMit-T\u00e4terschaft\u00ab und \u00bbKomplizenschaft\u00ab, die es erm\u00f6glichen Menschen f\u00fcr alles was auf einer Versammlung passiert, verantwortlich zu machen, sind ein Missbrauch juristischer Macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine der Forderungen der Revoltierenden von Hongkong ist die \u00bbR\u00fccknahme des Begriffs \u203aAufst\u00e4ndische\u2039 f\u00fcr die Bezeichnung von DemonstrantInnen, da diese Bezeichnung eine viel gr\u00f6\u00dfere Anzahl an Verhaftungen f\u00fcr geringf\u00fcgige Verst\u00f6\u00dfe erm\u00f6glicht\u00ab. China war in Hamburg vertreten. Dieser ewige Prozess fu\u00dft auf den gleichen Kriminalisierungen von Versammlungen und der Verwendung von k\u00fcnstlicher Intelligenz. So kann sich gefragt werden ob \u00bbPekings Griff\u00ab nach Hongkong nicht auch ein paar Finger in Richtung Hamburg gestreckt hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Versammlungen wurde nie ein Polizist f\u00fcr die Gewalt beschuldigt, die ein anderer Polizist begangen hat. Im \u00dcbrigen wird ein Polizist an sich fast nie angezeigt. Es gibt Reglementierungen zur Anwendung von Gewalt, doch wenn sich die Polizei daran nicht h\u00e4lt \u2013 keine Verfahren. Und hierbei lasse ich mich auf das Feld des reinen Legalismus herab. Denn ob ich den Kn\u00fcppel im Rahmen der Vorschriften auf den Sch\u00e4del bekomme oder ohne Einhaltung der Regeln \u2013 mein Gef\u00fchl der Revolte bleibt dasselbe. Meine Emp\u00f6rung h\u00f6rt nicht bei der anatomischen W\u00fcrdigung der Gewalt auf.<\/p>\n<p>Max Stirner schrieb:<br \/>\n\u00bbDes Staates Betragen ist Gewaltt\u00e4tigkeit, und seine Gewalt nennt er<br \/>\n\u203aRecht\u2039, die des Einzelnen \u203aVerbrechen\u2039\u00ab. Ich denke, dass wenn<br \/>\nGewaltanwendung ihren Ausdruck findet, diese in jeder Situation<br \/>\nhinterfragt geh\u00f6rt. Sie darf um keinen Preis zu einer Normalit\u00e4t<br \/>\nverkommen, zu einem unbeweglichen Recht.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>War es in der Situation des G20 in Hamburg legitim den Gipfel mit Gewalt zu verteidigen? Was w\u00e4re passiert, wenn es keinen einzigen Polizisten zum Schutz des G20 Gipfels gegeben h\u00e4tte? Meine Sichtweise ist folgende.<\/p>\n<p>W\u00e4re der G20 Gipfel von Hamburg ohne Polizei abgehalten worden, h\u00e4tten sich die zum Gegenprotest angereisten Personen an den Ort des Treffens begeben. Ohne anwesende Polizei h\u00e4tte es keine Auseinandersetzungen gegeben. Es h\u00e4tte sich ein altes Demo-Sprichwort best\u00e4tigt: \u00bbKeine Polizei, kein Problem. \u00bbJede st\u00e4dtische Struktur, die den Kapitalismus symbolisiert, w\u00e4re besetzt worden. Die Banken w\u00e4ren zu Orten des Tausches und des Schenkens ohne Geld geworden. Die Entfernung von Werbeschildern h\u00e4tte freie Zeit f\u00fcr die Gehirne verschafft. Im Rahmen dieses Gegengipfels h\u00e4tte man sich in kleinere Versammlungen oder Gruppen aufgeteilt. Da Menschen aus allen Kontinenten nach Hamburg gekommen sind um zu protestieren, h\u00e4tte es einen aus dem Austausch der Meinungen und deren Diversit\u00e4t entspringenden \u00fcberbordenden Reichtum gegeben. Wir h\u00e4tten uns gefragt, was mit den offiziellen F\u00fchrungskr\u00e4ften der G20 geschehen solle. Manche h\u00e4tten sie ins Gef\u00e4ngnis werfen wollen, doch eine Arbeitsgruppe mit dem Titel \u00bbAbschaffung aller Polizeien und Gef\u00e4ngnis-Institutionen\u00ab h\u00e4tte sich dem entgegengestellt. Eine Person h\u00e4tte diesen Utopisten, die eine Welt ohne Kn\u00e4ste und Polizei forderten, vorgeworfen, das Chaos heraufzubeschw\u00f6ren. Ein Mensch h\u00e4tte ihr geantwortet: \u00bbDie meisten Menschen im Knast kommen aus den armen Klassen, sehr wenige aus der Mittelschicht und noch weniger aus der Klasse der Reichen. Dies zeigt auf, inwieweit das Sich-im-Gef\u00e4ngnis-wiederfinden nichts mit der individuellen Wahlfreiheit, sondern mit den materiellen Existenzbedingungen zusammenh\u00e4ngt. Die L\u00f6sungen die sich vorgestellt und mit denen experimentiert wird, sind unterschiedlich. Doch allen ist gemein, dass sie die Idee verfolgen, die Gewalt und das Leid der Gesellschaft zu lindern, ohne daf\u00fcr auf die Intervention der\u00a0 Polizei angewiesen zu sein. Diese L\u00f6sungen greifen die Ursachen an,\u00a0 indem sie gegen die Armut, die Wohnungsnot, die soziale Exklusion und den Rassismus ank\u00e4mpfen.\u00ab<\/p>\n<p>Die erste kollektive Bewusstwerdung w\u00e4re dann gewesen, festzustellen, dass alle zusammen gekommenen Personen aus den verschiedenen Nationen keine Atomwaffen wollen. Und, dass\u00a0 aus den Herzen der verschiedenen V\u00f6lker ein gemeinsamer Wille nach Frieden herausragt. Im Angesicht der zahlreichen Probleme, die die\u00a0 Zentralisierung der Macht generieren, h\u00e4tten wir mit der Notwendigkeit der Relokalisierung und Selbstorganisation begonnen. Als dann Trump,\u00a0 nachdem er gewartet h\u00e4tte an der Reihe zu sein, das Wort ergriff, h\u00e4tten wir gemerkt, dass wir kaum auf die verschiedenen offiziellen F\u00fchrungskr\u00e4fte der G20 geachtet haben.<br \/>\nDann h\u00e4tten wir auf die Schnelle einen Text mit dem Titel \u00bbAbolition<br \/>\naller F\u00fchrungskr\u00e4fte und Tyrannen\u00ab verabschiedet. Dessen Idee w\u00e4re, dass einE jedeR seinE eigeneR MeisterIn w\u00fcrde, ohne gehorchen zu m\u00fcssen und sich jeglicher Autorit\u00e4t zu unterwerfen. Der Text h\u00e4tte mit diesem Zitat von Anselme Bellegarrigue geschlossen: \u00bbSie waren bis zum heutigen Tage der Annahme das es Tyrannen gab? Tja! Sie haben sich get\u00e4uscht, es gibt nur Sklaven: Da wo niemand gehorcht, befiehlt auch keiner.\u00ab<\/p>\n<p>Und dann w\u00e4re etwas Unglaubliches passiert. Da wir ihnen keine besondere Wichtigkeit mehr zugeschrieben h\u00e4tten, h\u00e4tten sich diese Staatschefs \u2013 die niemand mehr als solche betrachtete \u2013 verwandelt. Die h\u00e4tten die Macht, die ihnen bis dahin zugeschrieben hatte, verloren. Man h\u00e4tte Trump nicht wiedererkannt. Die autorit\u00e4ren Z\u00fcge seines Gesichts h\u00e4tten sich aufgelockert und er w\u00e4re ein Dichter geworden. An der mexikanischen Grenze meditierend, k\u00f6nnte er die wenig glorreiche Geschichte der Aneignung mexikanischen Landes durch die Vereinigten Staaten vor sich sehen. Im eigens geschrieben Lied \u00bbVon den Mauern meines Herzens zu den Mauern der Grenzen\u00ab, rief er zur Zerst\u00f6rung der Mauer und zur R\u00fcckgabe des Landes an Mexiko auf. Gleicherma\u00dfen h\u00e4tte er den indigenen Gemeinschaften in den USA gro\u00dfe Gebiete r\u00fcck\u00fcberlassen und sich f\u00fcr die Pipeline-Projekte entschuldigt, die er selbst nach dem G20 verhindert h\u00e4tte. Da er sein luxuri\u00f6ses Flugzeug Musikgruppen zur Verf\u00fcgung gestellt hatte, damit sie darin Umsonstkonzerte organisieren k\u00f6nnen, h\u00e4tte er die R\u00fcckreise \u00fcber den Atlantik auf einem gro\u00dfen Segelschiff angetreten. Diese Reise w\u00fcrde durch das Gutd\u00fcnken des Windes bestimmt. Bis zu seiner Ankunft w\u00e4re seine Stimme sanft geworden.<\/p>\n<p>Macron h\u00e4tte seine H\u00fctten in den W\u00e4ldern des Wendland gebaut, etwa hundert Kilometer von Hamburg entfernt. Inspiriert von dieser Gegend, die gegen ein Projekt der unterirdischen Atomm\u00fclllagerung gek\u00e4mpft hat, h\u00e4tte er entschieden, die AktivistInnen von Bure nicht l\u00e4nger als \u00dcbelt\u00e4ter zu sehen. Er war sein ganzes Leben inmitten der Gesch\u00e4ftswelt umhergeirrt, den Lobbyvertretungen gefolgt. Von dieser Kom\u00f6die erm\u00fcdet, h\u00e4tte dieser Gegengipfel der G20 ihn um die schwere Last der Macht erleichtert. Als ehemaliger Pr\u00e4sident Frankreichs h\u00e4tte er sich vom Blick des Eichhorns definieren lassen. Die R\u00e4umung der ZAD von Notre-Dame-des-Landes w\u00e4re nicht erfolgt. Die BesetzerInnen hatten, durch ihren Kampf vor Ort, eine Feuchtzone vor der Versiegelung durch einen Flughafen gerettet. F\u00fcr Macron h\u00e4tte der Begriff von Eigentum keine Bedeutung mehr gehabt, als er erfuhr, dass der Vinci-Konzern, welcher der Gesellschaft auf der Tasche liegt, den Preis des nicht-gebauten Flughafens von ihm zur\u00fcckforderte. Die Argumentation, die er vorbereitet hatte, um die R\u00e4umung zu legitimieren, h\u00e4tte in seinen Augen keinen Sinn mehr gemacht. Klar, warum voranstellen, dass es sich um Profiteure handelt, die keine Steuern zahlen? Er h\u00e4tte ab sofort begriffen, dass ein Reicher, der Steuern hinterzieht, ein tausendmal so schlimmer Parasit ist, als diese paar hundert Menschen, die eine neue Utopie aufbauen welche nach Selbstverwaltung strebt. Die sich f\u00f6derierenden Lebensr\u00e4ume der Gelbwesten h\u00e4tten ihn ebenfalls tief ber\u00fchrt. Kein einziger h\u00e4tte seine H\u00e4nde verloren. Keiner w\u00e4re gestorben. Keiner w\u00e4re in den Knast gekommen.<\/p>\n<p>Die Politik w\u00e4re nicht mehr in den Parlamenten verschlossen. Parlamente w\u00e4ren im \u00dcbrigen Orte f\u00fcr Kunstvorf\u00fchrungen, von Konzerten und Theaterst\u00fccken geworden. W\u00f6chentlich w\u00fcrden dort Konferenzen mit den \u00dcberlebenden anderer Kulturen stattfinden, die sich die unsere auszurotten erlaubte, mit dem Vorwand den Fortschritt einzuf\u00fchren. Es g\u00e4be dort auch Augenzeugenberichte zum nicht-zivilisatorischen Leben, von Mikrogesellschaften die in der Lage waren wilde W\u00e4lder zu pflegen. Es w\u00fcrde in der Folge beschlossen, die kapitalistische Industriezivilisation zu verlassen, welche die Ausl\u00f6schung aller Spezies, auch der unseren, vorantrieb.<br \/>\nEs w\u00e4re f\u00fcr alle einleuchtend geworden, dass die Ausbeutung und Beherrschung des gesamten Planeten zum Zweck der Durchsetzung unserer zerst\u00f6rerischen Wirtschaftsweise uncool war. Wir h\u00e4tten festgestellt, dass die Freiheit des Individuums von der Freiheit der anderen Individuen abh\u00e4ngt. Dass eine tugendhafte Gesellschaft diejenige ist, die auch f\u00fcr Millionen andere, die M\u00f6glichkeit zu existieren, l\u00e4sst. Ohne Dominanz, ohne den ganzen Raum einzunehmen, alles zu kontrollieren, alles auszul\u00f6schen. Die Menschen h\u00e4tten die Macht \u00fcber ihr Leben zur\u00fcckgewonnen und begonnen vor Ort zu wirken. Macron h\u00e4tte aufgeh\u00f6rt zu sprechen. Er w\u00fcrde sich verkleiden, um nicht wiedererkannt zu werden und w\u00fcrde zuh\u00f6ren. Von einem Massenmanipulateur w\u00e4re er zu einem Betrachter des Individuums geworden.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Xi Jinping h\u00e4tte Elis\u00e9e Reclus studiert: Die Entwicklung, die<br \/>\nRevolution und das anarchistische Ideal. Dann h\u00e4tte er die riesigen<br \/>\nKn\u00e4ste ge\u00f6ffnet und die Uiguren und alle zuvor unterdr\u00fcckten<br \/>\nMinderheiten befreit. Er h\u00e4tte die Gesichtserkennung aufgegeben. Es<br \/>\nh\u00e4tte keine Repression gegen die Demonstrierenden von Hongkong gegeben. Diese und alle anderen St\u00e4dte Chinas und der Welt w\u00e4ren autonom und selbstverwaltet geworden und h\u00e4tten sich zu Kiezen \u2013 mit oder ohne Werbung \u2013 in freien Vereinbarungen geformt.<\/p>\n<p>Erdogan h\u00e4tte wie alle anderen Staatschefs seine Macht verloren und<br \/>\ndabei der kurdischen Community ihre Selbstbestimmung \u00fcberlassen. Es h\u00e4tte keinen Angriff auf Rojava gegeben. Und das Ideal des libert\u00e4ren Kommunalismus des Schriftstellers Murray Bookchin w\u00fcrde weiterhin den Geist der Region und dar\u00fcber hinaus ergl\u00fchen lassen.<\/p>\n<p>Russland h\u00e4tte keine AnarchistInnnen gefoltert.<br \/>\nDeutschland h\u00e4tte aufgeh\u00f6rt Waffen zu verkaufen.<br \/>\nSaudi-Arabien h\u00e4tte aufgeh\u00f6rt Jemen zu bombardieren.<br \/>\nEngland, die USA, Russland, China und Frankreich, welche die f\u00fcnf<br \/>\ngr\u00f6\u00dften Waffenh\u00e4ndler sind, h\u00e4tten aufgeh\u00f6rt diese zu produzieren und zu verkaufen.<\/p>\n<p>Und so viele andere wundervolle Dinge, die ich vergesse oder die nicht vorstellbar sind, denn es muss den revolution\u00e4ren Situationen den Platz lassen Utopien zu geb\u00e4ren. Anerkennen, dass die Person die man Heute ist, weniger gut ist, als diejenige die Morgen aufsteht. Und somit, den konservativen Hochmut hinter sich lassend, Schritt f\u00fcr Schritt den Pfad der Perfektion beschreiten, ohne jemals anzuhalten.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Mitb\u00fcrgerInnen beteiligt sich durch<br \/>\nSteuerzahlungen an der Entwicklung von R\u00fcstungsfirmen, der Existenz der Polizei und der Armee.<br \/>\nKriegswaffen, Polizisten die verst\u00fcmmeln, Soldaten die morden. Warum Waffen bauen, warum welche verkaufen, f\u00fcr wen? Frankreich verkauft Waffen an Saudi-Arabien und an die Emirate \u2013 L\u00e4nder die sich in Jemen an Kampfhandlungen beteiligen. Mit \u00fcber 230.000 Toten wird der Konflikt durch die UNO als die \u00bbschlimmste humanit\u00e4re Katastrophe auf der Welt bezeichnet\u00ab. Ohne Qualen hierarchisieren zu wollen, glaube ich, dass die Vereinten Nationen falsch liegen. Seit Jahrzehnten findet infolge von Waffenhandel und Minenausbeutung eine schlimmere humanit\u00e4re Katastrophe in der Demokratischen Republik Kongo statt. In den 20 vergangenen Jahren wird der dortige Genozid auf 6 bis 10 Millionen Tote gesch\u00e4tzt. Laut Amnesty International arbeiten 40.000 Kinder \u00fcber 10 Stunden am Tag, um das Mineral Kobalt abzubauen, welches von Firmen wie Microsoft, Apple oder Samsung verbaut wird. Diese Multinationalen m\u00fcssten wegen Komplizenschaft am Genozid angeklagt werden. Es gibt weitaus mehr Beweise als in diesem Verfahren.<\/p>\n<p>Noch ein Zitat aus dem Buch Erziehung und Revolution von George Chambat:<\/p>\n<p>\u00bbDas Ziel des \u203aMuseums der Arbeit\u2039 ist es, allen einen Zugang zur Geschichte und Organisierung der Arbeit zu erm\u00f6glichen, von der Extraktion der Materialien bis zum Verkauf der fertigen Produkte, inklusive der Produktionskosten, dem Gewinn und dem Mehrwert der aus der Arbeitsausbeutung resultiert. Das lie\u00dfe keine Zweifel zu: \u00bbdiese stummen Lektionen, w\u00e4ren sie nicht eloquenter als das vergebliche revolution\u00e4re Geschrei mit dem sich die Redner der Taverne aufreiben? (\u2026) Wenn man sich den Einfluss einer solch \u00e4hnlichen Lektion der Dinge verdeutlicht, die Intensit\u00e4t der Unruhen, die au\u00dferordentliche Krise, die in allen Arbeitern gleichzeitig die \u00dcberzeugung heranwachsen lassen w\u00fcrde, dass das gesellschaftliche \u00dcbel \u00fcberall gleich ist\u00ab.<\/p>\n<p>Das Problem der gro\u00dfen politischen Bewegungen ist, dass es immer die \u00dcberlegung gibt, wie denn viele Menschen zu erreichen seien, wie eine Massenbewegung entstehen k\u00f6nne.<br \/>\nBevor sie auf ihr Herz h\u00f6ren, beginnen die Personen damit, auf einem strategischen Niveau nachzudenken. Ihr Parolen sind leer und r\u00fctteln niemand auf. Es muss mit den Individuen geredet werden, nicht mit den<br \/>\nMassen. Die Masse existiert nicht, sie darf nicht existieren. Mich sorgt es, institutionelle Umweltpolitik mit immer neuen Kompromissen voranschreiten zu sehen. Sie schl\u00e4gt Energiewenden vor, die nichts anderes sind als gr\u00fcner Kapitalismus. Interessieren wir uns f\u00fcr jedes Objekt, seinen Bau und seinen Bedingungen.<br \/>\nSolarpanele werden durch die Ressourcen- und Human-Ausbeutung in Afrika gewonnen. Die Zusammensetzung erfolgt unter unw\u00fcrdigen Bedingungen in China und anderen asiatischen L\u00e4ndern. Zudem werden verschmutzende Materialien verwendet und der Bau \u2013 da dies ein Gesch\u00e4ftsmodell ist \u2013 ist ein Opfer \u00fcberfl\u00fcssiger Programme, die von unserem Wirtschaftssystem aufgezwungen werden. Die gleiche Problematik betrifft elektrische Batterien und industrielle Windkraftanlagen. Der Dokumentarfilm \u00bbPlanet of the humans\u00ab, auch wenn an ihm einiges zu kritisieren w\u00e4re, hilft, dieses oft unterbelichtete Thema zu vertiefen.<\/p>\n<p>Es kann keine \u00d6kologie im Kapitalismus geben.<br \/>\nDer Kapitalismus ist nicht reformierbar.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen jetzt entscheiden, eine Vielzahl an Utopien auf den Ruinen eines dahinsiechenden Wirtschaftssystems aufzubauen. Wir m\u00fcssen effektiv sein und diesen wahnsinnigen Lauf mit unseren K\u00f6rpern und unseren Handlungen vereiteln.<\/p>\n<p>Lasst uns einen Impact haben, da, wo die zerst\u00f6rerischen Projekte sich etablieren.<br \/>\nDa. wo die Konzerne die W\u00e4lder zerst\u00f6ren.<br \/>\nDa, wo Atomprojekte die kommenden Generationen f\u00fcr Jahrtausende in Gefahr bringen.<br \/>\nDa, wo die M\u00e4chtigen dieser Welt sich treffen.<br \/>\nDie Radikalit\u00e4t unserer Aktionen muss auf Augenh\u00f6he des Desasters sein.<\/p>\n<p>Zum Schluss: Jede Person, die sich in einem geistigen Universum<br \/>\nzur\u00fcckzieht, um sich zu tr\u00f6sten, sich zu vergewissern, beteiligt sich an<br \/>\nder Zerst\u00f6rung der \u00bbSch\u00f6pfung\u00ab.<br \/>\nEine Zerst\u00f6rung, die von unserer industriellen kapitalistischen<br \/>\nZivilisation orchestriert wird. Eine Zivilisation, wie es sie<br \/>\nmillionenfach gab und geben kann (wie auch weitere Formen von<br \/>\nnicht-zivilisatorischen Gesellschaften). Wir befinden uns derzeit in der<br \/>\nschlimmsten von allen, da sie die M\u00f6glichkeit aller weiteren Formen<br \/>\nexistenziell aufs Spiel setzt. Stellen wir uns f\u00fcr einen kurzen<br \/>\nAugenblick vor, es g\u00e4be einen \u00bbGott\u00ab, und dass dieser uns auf Erden<br \/>\nausgesetzt h\u00e4tte und nicht direkt ins Paradies, damit wir die Wahl<br \/>\nh\u00e4tten, ihm zu folgen oder es nicht zu tun. Die erste aller Missionen \u2013<br \/>\negal welcher eurer Glaube sei \u2013 w\u00e4re es zu k\u00e4mpfen, damit diese<br \/>\nFreiheit, n\u00e4mlich die Sch\u00f6pfung, \u00fcberdauern kann.<\/p>\n<p>Ich bin gl\u00fccklich, denn ich konnte ausdr\u00fccken, was mir auf dem Herzen lag, ohne mich aufgrund der Angst vor dem Urteil oder den strategischen Ratschl\u00e4gen meiner Anw\u00e4ltInnen einzuschr\u00e4nken. Ich bin stolz darauf, an den Demonstrationen gegen die G20 teilgenommen zu haben, dem Gipfel an dem sich die gr\u00f6\u00dften Waffenh\u00e4ndler der Welt versammelten. Noch ist nichts verloren, jeder Moment ist zu bewahren.<\/p>\n<p>Zwei Zitate um zu schlie\u00dfen. Eins von Henri David Thoreau:<br \/>\n\u00bbInsofern ist jedes Ungl\u00fcck ein Sprungbrett ins Gl\u00fcck.\u00ab<\/p>\n<p>Und ein weiteres von Nelson Mandela zum Gef\u00e4ngnis:<br \/>\n\u00bbEin Mensch, der einen anderen seiner Freiheit beraubt, ist Gefangener des Hasses, der Vorurteile und der Beschr\u00e4nkung des Geistes.\u00ab<\/p>\n<p>Dankesch\u00f6n.<\/p>\n<p>Lo\u00efc, Hamburg, 9. Juli 2020.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/unitedwestand.blackblogs.org\/2-prozesserklaerung-von-loic-elbchausseprozess-9-juli-2020\/ \u00bbKEINE POLIZEI, KEINE PROBLEME\u00ab So werde ich nun mit vier Jahren und neun Monaten Haft ohne Bew\u00e4hrung bedroht \u2013 bei sofortigem erneuten Haftantritt. Drei Jahre dieser Strafandrohung entsprechen nicht Taten, deren Autor ich gewesen sein soll, aber zu deren Komplize ich gemacht werde. Die meisten Leute sind keine Fans der G20. 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