{"id":9088,"date":"2021-10-12T17:39:08","date_gmt":"2021-10-12T17:39:08","guid":{"rendered":"http:\/\/bure3iqeqde7ynpluyuubochndt33wwsbkmo7kgf32bmli4zigjwvzid.onion\/?p=9088"},"modified":"2022-07-04T18:16:49","modified_gmt":"2022-07-04T18:16:49","slug":"proces-du-27-septembre-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bureburebure.info\/de\/proces-du-27-septembre-2021\/","title":{"rendered":"Bar-le-Duc-Gerichtsverhandlung am 27.Sept.21"},"content":{"rendered":"<p>Am 21. August 2021 trafen vier Demonnstrationsz\u00fcge im Andra-Lager in Gondrecourt-le-Chateau zusammen. An diesem Tag wurde eine Person festgenomen. Nach Verlassen des Polizeigewahrsams wurde sie wegen schwerer Sachbesch\u00e4digung, Verweigerung der Personalienfeststellung und der DNA-Probe angeklagt und schlie\u00dflich f\u00fcr den 27. September zur Verhandlung vor Gericht zitiert.<br \/>\nIm Gerichtssaal von Bar-le-Duc wurde gerade ein neuer Glaskasten f\u00fcr die Angeklagten unter dem Gem\u00e4lde einer aufgeriebenen Armee errichtet, und in dieser \u201egem\u00fctlichen\u201c Kulisse wurde die Freundin verurteilt.<\/p>\n<p>Die Verhandlung dauerte drei Stunden, in denen der Pr\u00e4sident sein mangelndes Charisma \u00fcberzeugend unter Beweis stellte, w\u00e4hrend die Staatsanw\u00e4ltin selbstbewusst ihre Unkenntnis der Strafprozessordnung demonstrierte.<br \/>\nDer Verteidiger versuchte nachzuweisen, dass der Polizeigewahrsam nicht rechtm\u00e4\u00dfig war, da die Person w\u00e4hrend des gesamten Verfahrens nur verd\u00e4chtigt wurde, Graffiti-Tags(die nicht als \u201eschwere Sachbesch\u00e4digungen\u201c eingestuft werden) angebracht zu haben.<\/p>\n<p>Am Ende des Schauspiels wurde die Person zu einer 500 Euro Geldstrafe von 500 Euro auf Bew\u00e4hrung wegen &#8230; Tags, 3600 Euro Schadensersatz plus Zinsen und 500 Euro Gerichtskosten verurteilt.<\/p>\n<p>Wie immer gilt: Repression ist teuer! Ihr k\u00f6nnt die Antirep unterst\u00fctzen, indem Ihr eine Spende schickt:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.helloasso.com\/associations\/cacendr\/formulaires\/2\">https:\/\/www.helloasso.com\/associations\/cacendr\/formulaires\/2<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erkl\u00e4rung der Freundin vor Gericht:<\/p>\n<p>\u201eIch m\u00f6chte eine Erkl\u00e4rung abgeben und mich anschlie\u00dfend an das Schweigen halten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zum Hintergrund. Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen. Aber ich denke, es ist wichtig zu verstehen, wie es dazu gekommen ist.<\/p>\n<p>Seit vielen Jahren k\u00e4mpfen Aktivisten und Aktivistinnen (und ich schlie\u00dfe unter diesem Wort eine heterogene Gruppe von Individuen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Aktionsformen ein) in Bure und Umgebung gegen das von der ANDRA gesteuerte Projekt zur Einlagerung von Atomm\u00fcll.<\/p>\n<p>Ich habe am 21. August an einer Demonstration teilgenommen, um mich wie viele andere gegen das Projekt CIGEO zu stellen. In diesem Zusammenhang m\u00f6chte ich meine Solidarit\u00e4t mit den anderen Aktivisten und Aktivistinnen zum Ausdruck bringen, die an diesem Tag anwesend waren, und zwar unabh\u00e4ngig von den Aktionsformen, die sie f\u00fcr ihre Proteste gew\u00e4hlt haben.<\/p>\n<p>Im weiteren Sinne bekunde ich meine Solidarit\u00e4t mit allen Aktivisten und Aktivistinnen, die gegen dieses katastrophale Projekt gek\u00e4mpft haben, k\u00e4mpfen und \/ oder weiter k\u00e4mpfen werden, und die die extreme Repression der Polizei, der Justiz und somit der Politik, die in Bure allt\u00e4glich geworden ist, erlitten haben, erleiden und zweifellos noch erleiden werden.<\/p>\n<p>Ich habe soeben meine Solidarit\u00e4t zum Ausdruck gebracht. Aus juristischer Sicht scheint es mir, dass mich das noch nicht schuldig macht, so wie ich auch nicht schuldig bin, f\u00fcr die Abschaffung der Polizei, der Gef\u00e4ngnisse, der Grenzen oder des Staates zu sein. Wessen bin ich dann angeblich schuldig? Es hei\u00dft, ich h\u00e4tte Tags gesetzt (was ich nat\u00fcrlich bestreiten werde) und mich geweigert, mich einer Identit\u00e4tsfeststellung zu unterziehen (was ich nicht bestreiten werde).<\/p>\n<p>Kommen wir also zur\u00fcck zur Demonstration. Welche Rolle spielte ich bei dieser Demonstration?<br \/>\nAuch wenn der Text des perfekten kleinen Taggers, um die Worte der Staatsanw\u00e4ltin zu verwenden, ziemlich lobenswert ist, stellte sich heraus, dass ich nicht gekommen war, um zu taggen. Au\u00dferdem wusste ich an jenem Tag nicht, dass Leute taggen w\u00fcrden. Es war eine \u00dcberraschung. Eine positive \u00dcberraschung, gewiss, aber dennoch eine \u00dcberraschung.<\/p>\n<p>Ich bin in erster Linie zu dieser Demonstration gekommen, um f\u00fcr unsere Forderungen zu demonstrieren und mich, wenn n\u00f6tig, um andere zu k\u00fcmmern. Aus diesem Grund befanden sich in meiner Tasche und meinem Rucksack eine Reihe von Kompressen, Binden, Pflasterrollen, K\u00e4ltepacks und anderen Komponenten, die man h\u00e4ufig verwendet, um das zu tun, was man gemeinhin als Erste-Hilfe-Ma\u00dfnahmen bezeichnet. Denn Sie wissen genauso gut wie ich, dass bei einer Demonstration schnell ein Unfall passieren kann: Sonnenstich, Verstauchung, l\u00e4ngeres Strangulieren nach einer gewaltt\u00e4tigen Festnahme&#8230;<\/p>\n<p>Erfreulicherweise hatten wir an diesem Tag sehr viel Gl\u00fcck. Die Gendarmen h\u00f6rten auf, mich zu w\u00fcrgen, bevor ein (x-tes) Drama passieren konnte. Schlie\u00dflich gaben sie mir sogar mein Ventolin. Zwar erst nach 20 Minuten Asthmaanf\u00e4llen, aber besser sp\u00e4t als zu sp\u00e4t. Das Gute an der ganzen Sache ist, dass ich dadurch alles, was danach kam, relativieren konnte. Ich fand es zum Beispiel komisch, ja fast schon lustig, als Gendarmen meine Tasche \u00f6ffneten und eine Farbdose herausholten, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe.<\/p>\n<p>Die Frage ist also: Wie ist die Farbbombe dorthin gekommen? Es gibt zwei L\u00f6sungen. Entweder hat mir jemand einen kleinen Streich gespielt, auf den ich gut h\u00e4tte verzichten k\u00f6nnen. Oder die Gendarmen haben beschlossen, sie diskret in meine Tasche zu stecken, w\u00e4hrend ich am Ersticken war. So konnte ich mir meine Festnahme im Nachhinein erkl\u00e4ren. Wie vorausschauend!<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen sich sicher vorstellen, dass ich die eine Hypothese f\u00fcr glaubw\u00fcrdiger halte als die andere.<\/p>\n<p>Wie auch immer. Betrachten wir nun das zweite Delikt, das mir vorgeworfen wird: die Verweigerung der Identit\u00e4tsfeststellung und der DNA-Probe. Da ich die Straftat, die mir vorgeworfen wird und die als Begr\u00fcndung f\u00fcr meinen Polizeigewahrsam diente, nicht begangen habe, erschien es mir v\u00f6llig logisch, die Abnahme meiner Fingerabdr\u00fccke und meiner DNA schlichtweg abzulehnen. Umso mehr, als ich mich in diesem Moment daran erinnere, dass ich das Gef\u00fchl hatte, dass man mich ein wenig zu erpressen versuchte.<\/p>\n<p>Also ja. Ich habe mich geweigert, mich einer politischen Datensammlung auszuliefern. Denn darum geht es ja. Diese Datenerfassung ist eines der zahlreichen Instrumente der polizeilichen, gerichtlichen und staatlichen Repression, die Aktivisten und Aktivistinnen, insbesondere in Bure, aber auch anderswo, zu sp\u00fcren bekommen. Diese Repression hat nur ein Ziel: den Protest zu ersticken, indem sie die Menschen direkt auf die Knie zwingt, um sie zu brechen und die Bande, die uns verbinden, zu zerrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht an diesen Prozess. Von Anfang an hat es niemanden interessiert, ob ich schuldig bin oder nicht. Ich wurde nur festgenommen, wie jeder andere zum Zweck der politischen Unterdr\u00fcckung h\u00e4tte festgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hier ist mein Wort nichts wert gegen\u00fcber diesem Gendarmen, der behauptet, mich beim Spr\u00fchen gesehen zu haben &#8211; pardon, der behauptet, mich mit erhobenem Arm und Spr\u00fchdose in der Hand vor einer bespr\u00fchten Wand gesehen zu haben.<\/p>\n<p>Mein Wort gilt nur f\u00fcr die Menschen in diesem Saal, die gekommen sind, um mich zu unterst\u00fctzen, so wie ich gekommen w\u00e4re, um sie zu unterst\u00fctzen, wenn sie an meiner Stelle w\u00e4ren.<br \/>\nIch wollte mit einem Zitat von Brecht enden, aber das Zitat, das ich am Anfang gew\u00e4hlt hatte, h\u00e4tte als Drohung oder Aufruf zum Aufruhr* interpretiert werden k\u00f6nnen. Zum Gl\u00fcck gibt es ein anderes, das mir sehr gut gef\u00e4llt<\/p>\n<p>\u201eUnsere Niederlagen, sehen Sie,<br \/>\nbeweisen nichts,<br \/>\nau\u00dfer dass wir zu wenige sind,<br \/>\num die Schandtaten zu bek\u00e4mpfen\u201c.<\/p>\n<p>*In der ersten Version lautete das Zitat: \u201eWenn [&#8230;] Unrecht geschieht, muss es einen Aufstand geben \/\/<br \/>\nUnd wenn es keinen Aufstand gibt, ist es besser, wenn die Stadt zusammenbricht \/\/<br \/>\nIn den Flammen, vor der Nacht\u201c.@<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung von <a href=\"https:\/\/www.anti-atom-aktuell.de\/\">Anti Atom Aktuell<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21. August 2021 trafen vier Demonnstrationsz\u00fcge im Andra-Lager in Gondrecourt-le-Chateau zusammen. An diesem Tag wurde eine Person festgenomen. 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