{"id":9924,"date":"2019-09-14T14:40:08","date_gmt":"2019-09-14T14:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/bure3iqeqde7ynpluyuubochndt33wwsbkmo7kgf32bmli4zigjwvzid.onion\/?p=9924"},"modified":"2022-11-18T14:41:35","modified_gmt":"2022-11-18T14:41:35","slug":"bure-die-ruckkehr-der-eulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bureburebure.info\/de\/bure-die-ruckkehr-der-eulen\/","title":{"rendered":"Bure : Die R\u00fcckkehr der Eulen"},"content":{"rendered":"<p><b>ein Nachtrag zur Wiederbesetzung des bois lejuc im Juli 2019<\/b><\/p>\n<p>Zwei Monate sind inzwischen vergangen, dass die Nachricht von der <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/34744\">Wiederbesetzung des Waldes<\/a> durch die Medien gingen. Die gewaltsame R\u00e4umung folgte unmittelbar und dauerte zwei Tage an. Ist die Aktion also gescheitert? Wir denken das nicht! Dennoch: so gro\u00df die \u00f6ffentliche Aufmerksakeit war, so schnell war sie wieder verflogen; zumal auch von Seiten der Akteur*innen keine weiteren Lebenszeichen in Form von Erkl\u00e4rungen oder weiteren Aktionen folgten. Wir Bedauern sehr, dass nach der Aktion keine \u00f6ffentliche Auswertung aus Sicht der beteiligten Personen stattgefunden hat. Wir denken diese w\u00e4re wichtig gewesen, um das geschehene diskutierbar zu machen und daraus Schl\u00fcsse f\u00fcr zuk\u00fcnftige Strategien des Kampfes zu ziehen. Es scheint uns wenig hilfreich, \u00fcber die Motive dieses Schweigens zu spekulieren, es wird schon seine Gr\u00fcnde haben. Als Menschen, die hier in der \u201eZone\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Leben und K\u00e4mpfen wollen wir das geschehene jedoch trotzdem zum Anlass nehmen, um ein Paar Gedanken zum Thema \u00f6ffentlich zu teilen, sowie den Beteiligten und dem Widerstand im Ganzen ein Feedback unserer Wahrnehungen zu geben. Eine Analyse der technischen Abl\u00e4ufe vor Ort, k\u00f6nnen wir somit nat\u00fcrlich nicht leisten.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber wir jedoch sprechen wollen ist die Tatsache, dass dieses kurze (wieder)Aufflammen von militantem Widerstand uns mit neuer Hoffnung erf\u00fcllt hat! Seit \u00fcber zwei Jahren Leben wir hier nun unter diesem polizeilichen Besatzungszustand. Unter permanenten Provokationen und Schikanen einer staatlichen \u00dcbermacht. In einer Region, die zunehmend im Mafiastil verwaltet wird. Freund*innen sitzen im Gef\u00e4ngnis, sind auf der Flucht, oder haber (sich) aufgegeben. Wer unter diesen Bedingungen lebt versteht sehr schnell, dass dieser Kampf sich nicht \u201emilit\u00e4risch\u201c gewinnen l\u00e4sst. Und trotzdem kann es richtig und notwendig sein den Angriff zu w\u00e4hlen! Die Friedhofsruhe, die sich seit der R\u00e4umung im Februar 2018 \u00fcber Bure und den umliegenden D\u00f6rfern ausgebreitet hat, ist f\u00fcr einen kurzen Moment durchbrochen worden. Und auch wenn es nicht gelang, mit dem Angriff einen Sieg \u00fcber die nuklearen Vasallen davonzutragen, so wurde doch ein Sieg \u00fcber die Angst errungen, die schon zu lange unser t\u00e4gliches Leben pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die Eulen sind zur\u00fcckgehrt! Zumindest hier in der \u201eZone\u201c ist die Botschaft trotz der sp\u00e4rlichen Worte wohl angekommen. Wir sehen es im komplizenhaften L\u00e4cheln unserer Nachbar*innen, wenn wir auf der Flucht vor der n\u00e4chsten Polizeistreife durch die Strassen huschen. Wir sehen es in ihrem schadenfrohen Grinsen, wenn die Patroullien ihre H\u00e4user passieren. Wir lesen es in den grimmigen Gesichten der Projektbef\u00fcrworter*innen, die sich gerade an die Totenruhe gew\u00f6hnt zu haben schienen. Wir lesen es bei jeder Fahrzeugkontrolle in den weinerlichen Requisitionen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> der Bullen die davon zeugt, dass sie auch zwei Monate dannach die ihnen verabreichte Kost aus Mollis und Steinen nicht verdaut haben. Wir wissen nicht, ob die direkt beteiligten Personen unseren Optimismus in dieser Frage teilen. Es scheint zumindest schwer vorstellbar, dass Menschen die Inspiration finden, sich auf diese Form der Auseinandersetzung einzulassen, ohne dabei auch ein St\u00fcckweit die Hoffnung zu haben am Ende einen konkret greifbaren Erfolg zu erzielen. Um so wichtiger scheint uns, den Menschen die im Juli den Kampf um den bois lejuc wieder aufgenomen haben zu versichern, dass sie nicht gescheitert sind und dass die von ihnen entz\u00fcndeten Feuer in unseren Herzen weiterbrennen!<\/p>\n<p>Auch die technisch-n\u00fcchterne Bilanz der Besetzung kann sich in unseren Augen sehen lassen: Nach allem was wir geh\u00f6rt haben, m\u00fcssen wir davon ausgehen, das die Bullen von der Aktion \u00fcberrascht wurden. Weder waren im Vorfeld verst\u00e4rkte Patroullien in und um den Wald festzustellen, noch waren Spezialkr\u00e4fte der H\u00f6henrettung vor Ort (diese mussten erst aus Paris angefordert werden). 300 Gendarmen stehen zur permanenten Verf\u00fcgung, um diesen gerade einmal 200 Hektar gro\u00dfen Wald zu bewachen. Stattdessen verbringen sie ihre Zeit lieber damit Anwohner*innen zu schikanieren und wahrlose Kontrollen durchzuf\u00fchren. Die Einsatzleitung d\u00fcrfte einiges zu erkl\u00e4ren gehabt haben, wie es rund 50 Aktivist*innen gelingen konnte unbemerkt in den Wald einzudringen, dort Baumh\u00e4user und Barrikaden zu errichten und schlie\u00dflich die Bullen am Boden anzugreifen und aus dem Wald zu jagen. So zogen sie es vor, einen Angriff von au\u00dfen herbeizuhalluzinieren der von den Sicherheitskr\u00e4ften abgewehrt werden konnte. Allein die Tatsache, dass zum Zeitpunkt des bekanntwerdens der Besetzung bereits 4 Baumh\u00e4user bzw. Plattformen im Wald errichtet worden waren entlarvt diese Behauptung als billige Propagandal\u00fcge. Dass es so scheint, dass sie weder mit dem Zeitpunkt noch der Intensit\u00e4t des Angriffes gerechnet haben, soll jedoch keineswegs bedeuten, dass sie unvorbereitet waren! Es dr\u00e4ngt sich vielmehr der Eindruck auf, dass sie in dem Moment der Ver\u00f6ffentlichung ein von langer Hand geplantes Programm abspulten, dass durch den permanenten polizeilichen Besatzungszustand jederzeit abrufbar ist und auch in anderen szenarien vermutlich \u00e4hnlich aussehen w\u00fcrde. Es w\u00e4re sicherlich interessant zu diskutieren, was diese Beobachtung f\u00fcr zuk\u00fcnftige Aktionsstrategien innerhalb der \u201eZone\u201c bedeuten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Polizei schien von der unangek\u00fcndigten Wiederbesetzung \u00fcberrascht worden zu sein: mangelnde Mobilisierung im Vorfeld, eine nur sp\u00e4rliche Komunikation w\u00e4hrend der Aktion, sowie die v\u00f6llig ausbleibende Vermittlung im Nachhinein machten es vielen Menschen im Widerstand schwer, das Geschehen politisch einzuordnen. Wir haben in Gespr\u00e4chen sp\u00e4ter h\u00e4ufiger die Kritik geh\u00f6rt, dass fehlende Informationen das Bild einer recht Exklusiven Veranstaltung einer geschlossenen Gruppe entstehen liessen, in der sich viele Menschen nicht wieder finden konnten. Das mag (neben der kurzen Dauer) einer der Gr\u00fcnde sein, warum eine Unterst\u00fctzung der Besetzung von au\u00dfen \u2013 die f\u00fcr ein l\u00e4ngeres Bestehen wohl notwendig gewesen w\u00e4re &#8211; weitgend ausblieb. Wir haben den Eindruck, dass weit mehr Menschen sich beteiligt bzw. solidarisiert h\u00e4tten, wenn die Aktion offener komuniziert worden w\u00e4re. So beschr\u00e4nkte sich die Anteilnahme der Bewegung auf ein paar Solifotos und eine abgefackelte ENEDIS Karre in Ivry-sur-Seine.<\/p>\n<p>Soweit wir wissen gab es w\u00e4hrend der gesamten Aktion keine Verletzten und auch die Repression h\u00e4tte weit schlimmer ausfallen k\u00f6nnen: Im Zuge der R\u00e4umung kam es zu mehreren willk\u00fcrlichen Identit\u00e4tsfeststellungen und Ingewahrsamnahmen in der n\u00e4heren Umgebung. Ob diese Personen Teil der Besetzung waren, oder sich zuf\u00e4llig dort aufhielten ist v\u00f6llig unklar. Fest steht jedoch, dass s\u00e4mtliche Personen nach kurzer Zeit wieder freigelassen wurden. Am selben Tag kam es noch zu einer weiteren Verhaftung in Bure, die jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit der Besetzung steht: Ein Mensch wurde wegen verletzung seiner juristischen Auflagen (Territorialverbot) verhaftet und zu indestens 4 Monaten Pr\u00e4ventivhaft verurteilt<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>. Die Person befindet sich seither im Gef\u00e4ngnis Nancy\/Maxeville. Auch im Nachhinein blieb (bislang) eine gr\u00f6\u00dfere staatliche Reaktion auf die Wiederbesetzung aus.<\/p>\n<p>Nach allem, was wir sp\u00e4ter \u00fcber den Charakter der durchgef\u00fchrten Aktion erfahren konnten, m\u00fcssen wir den mancherorts entstandenen Eindruck einer homogenen Komandoaktion revidieren. Auch wenn die offensichtlich erfolgreiche Geheimhaltung der Planung viele Menschen faktisch ausgeschlossen haben mag, tr\u00e4gt die Wiederbesetzung deutliche Zeichen einer Strategie der Vielfalt der Taktiken, bei der unterschiedliche Aktionsformen gleichberechtigt nebeneinander praktiziert wurden. Diese Heterogenit\u00e4t halten wir nach wie vor f\u00fcr einen zentralen Schl\u00fcssel f\u00fcr den Erfolg unseres Widerstandes! Von daher wollen wir die Wiederbesetzung des Waldes auch nicht isoliert betrachten. Hinter uns liegt ein ereignisreicher Sommer, in dem sich der Widerstand gegen das Atomprojekt auf vielf\u00e4ltige Art zur\u00fcckgemeldet hat. Veranstaltungen verschiedener Milleurs und Spektren haben deutlich gemacht, dass der Kampf gegen CIGEO auf allen Ebenen weiter geht. Wir denken dabei unter anderen an die 33 Konferenzen, welche die staatliche \u00d6ffentlichkeisdebatte atomkritisch begleitet haben, das Treffen der landeweiten Unterst\u00fctzungskomitees anfang August in Dijon das im November in Valencean fortgesetzt wird, das Burelesques Festival, zu dem \u00fcber 1000 Menschen in Hevillers zusammenkamen, die Er\u00f6ffnung der Dauerausstellung \u201eTrainstapping\u201c am Bahnhof von Lum\u00e9ville, das kurz bevorstehende feministisch-antinukleare Wochenende in Montieres, oder die angek\u00fcndigte Bauwoche i Widerstandshaus in Bure (BZL).<\/p>\n<p>Der allt\u00e4gliche Terror der Staatsgewalt beginnt seinen Schrecken zu verlieren. Es gibt wohl kaum etwas was sie uns antun k\u00f6nnten, was sie uns nicht bereits angetan haben. Und doch geht unser Kampf weiter! Weniger spektakul\u00e4r als zuvor, daf\u00fcr mit mehr Bedacht und dem wissen um die Konsequenz. Mit der Repression kam die Angst und mit ihr Spaltung und Misstrauen. Es wird wohl noch einige Zeit brauchen, das verlorene Vertrauen in einander und in uns selbst wieder herzustellen. Doch wir sind sicher, dass wir &#8211; wenn wir diesen Weg weiter gehen &#8211; zuk\u00fcnftige Auseinandersetzungen auf ein stabileres Fundament stellen k\u00f6nnen, welches der Repression stand h\u00e4lt. Wir werden uns auch weiterhin \u2013 mit den uns zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln \u2013 diesem teuren, nutzlosen und gef\u00e4hrlichen Projekt Namens CIGEO in den Weg stellen. Wir hoffen auf eine breite, spektren\u00fcbergreifende Beteiligung an der Gro\u00dfdemonstration \u201event de Bure\u201c am 28. Septeber in Nancy. Lasst uns unsere Wut gemeinsam auf die Strasse tragen!<\/p>\n<p><b>Einige Menschen aus der \u201eZone\u201c, 14 September 2019<\/b><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Als \u201eZone\u201c bezeichnen wir hier ein geographisch variabeles Gebiet um Bure, des milit\u00e4risch-polizeilichen Belagerungszustandes. Je nach behaubteter Sicherheitslage erstreckt sich dieses \u00fcber weite Teile der Departements Meuse und Haut Marne.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>Allgemeinverf\u00fcgungen, die die Kontrolle von Fahrzeugen und Insassen erlaubt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>Die Pr\u00e4ventivhaft kann bis zu 16 Monaten verl\u00e4ngert werden<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bureburebure.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hiboux-pic.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2320 img-fluid \" src=\"https:\/\/bureburebure.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hiboux-pic.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"1600\" srcset=\"https:\/\/bureburebure.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hiboux-pic.jpg 1280w, https:\/\/bureburebure.info\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hiboux-pic-768x960.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ein Nachtrag zur Wiederbesetzung des bois lejuc im Juli 2019 Zwei Monate sind inzwischen vergangen, dass die Nachricht von der Wiederbesetzung des Waldes durch die Medien gingen. 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