Französische Atomaufsicht ebnet Weg für Atommüll-Endlager Cigéo – Gefahr für die Region Trier!

Ursprünglich veröffentlicht auf : AntiAtomNetz Trier

Darum ist Bure auch für uns entscheidend

Das Anti-Atom-Netz Trier konzentriert sich naturgemäß stark auf das unmittelbar bedrohliche Thema der Laufzeitverlängerung des AKW Cattenom. Wir müssen jedoch ebenso wachsam bleiben, was die französischen Pläne zur Atommüllentsorgung angeht.

Das geplante Endlager Cigéo (Centre industriel de stockage géologique) in Bure (Département Meuse) ist das Herzstück der französischen Atomstrategie. Es soll hochradioaktive und langlebige mittelradioaktive Abfälle aufnehmen. Ohne eine scheinbar „gelöste“ Entsorgungsfrage würde die gesamte Atommüllkette – und damit der Weiterbetrieb der französischen AKWs, inklusive Cattenom – fundamental in Frage gestellt. Die Genehmigung von Cigéo sichert also indirekt den Fortbestand von Cattenom und der damit verbundenen Atomgefahr, die in Luftlinie nur knapp 50 Kilometer von Trier entfernt liegt!

Da Frankreich weiterhin Atomkraftwerke betreibt und täglich neuen hochradioaktiven Atommüll produziert, ist die tatsächliche Menge des sicher zu lagernden Atommülls nicht eindeutig berechenbar. Die Behauptung, bald ein Endlager zu haben, legitimiert den Weiterbetrieb des immer gefährlicher werdenden französischen Atomparks. Diese Legitimierung ist fragwürdig, da Kritik und Gefahren weiter bestehen. Dies gilt insbesondere für die zunehmend alternden Reaktoren, einschließlich der Pannenreaktoren von Cattenom.

Das Endlagerprojekt Cigéo ist somit sowohl eine direkte Folge der Atompolitik als auch eine notwendige Voraussetzung für den Weiterbetrieb der französischen Atomkraftwerke. Die aktuelle Stellungnahme der französischen Atomaufsicht ASNR ist daher ein hochrelevanter und alarmierender Schritt, der unsere Region direkt betrifft.

ASNR-Stellungnahme zu Cigéo: Aufsichtsbehörde bewertet Sicherheitsnachweis als „zufriedenstellend“

Die Autorité de Sûreté Nucléaire et de Radioprotection (ASNR), die französische Behörde für nukleare Sicherheit, hat am 04. Dezember 2025 ihre mit Spannung erwartete Stellungnahme zum Antrag der Andra (französische Entsorgungsagentur) auf Genehmigung zur Errichtung des Tiefenlagers Cigéo veröffentlicht.

Die Kernpunkte des Berichts:

  • Zufriedenstellender Sicherheitsnachweis: Nach umfassender technischer Prüfung und Konsultation hält die ASNR die von der Andra erworbenen Kenntnisse und den vorgelegten Sicherheitsnachweis für die Betriebs- und Nachbetriebsphasen zum aktuellen Zeitpunkt des Antrags auf Errichtungsgenehmigung für zufriedenstellend.
  • Vervollständigung notwendig: Die ASNR macht jedoch klar, dass der Sicherheitsnachweis noch vervollständigt werden muss, bevor die geplante, auf eine industrielle Pilotphase beschränkte Inbetriebnahme starten kann.
  • Weg frei für die Öffentlichkeit: Die Behörde ist der Ansicht, dass der Antrag, nachdem die Andra ihre im Prüfverfahren eingegangenen Verpflichtungen erfüllt hat, zur öffentlichen Untersuchung weitergeleitet werden kann.
  • Umfassender Prozess: Die Stellungnahme basiert auf Gutachten von Sachverständigen (inkl. des vormals eigenständigen IRSN) und einem Dialog mit Interessengruppen, einschließlich einer öffentlichen Konsultation vom 3. Oktober bis 6. November 2025.

Quelle: Die Stellungnahme Nr. 2025-AV-016 der ASNR vom 25. November 2025 ist hier auf der Webseite der ASNR abrufbar.

Kritische Einordnung durch das Anti-Atom-Netz Trier: Schein-Sicherheit und Farce der Bürgerbeteiligung

Für das Anti-Atom-Netz Trier ist die Haltung der ASNR hochproblematisch und zeugt von einem fatalistischen Entgegenkommen gegenüber der Atomindustrie. Wir sehen darin eine grüne Welle für ein ungelöstes Sicherheitsproblem.

Unsere Hauptkritikpunkte:

  1. Ungelöste Sicherheitsprobleme werden vertagt: Die Behörde selbst bestätigt, dass der Sicherheitsnachweis „vervollständigt werden“ muss. Ein Projekt, das unsere Nachfahren für Hunderttausende von Jahren belasten soll, darf keine fundamentalen Sicherheitslücken aufweisen, die erst nach der Baugenehmigung geflickt werden sollen. Die Aussage „zufriedenstellend“ ist nicht gleichbedeutend mit sicher!
  2. Ignorierte Bedenken: Obwohl die Konsultation mit Interessengruppen erhebliche Bedenken in Bezug auf konkrete Risiken und die Überwachung der Andra-Verpflichtungen zutage gefördert hat, wurden diese lediglich zur Kenntnis genommen und das Verfahren wird unaufhaltsam fortgesetzt. Dies ist ein Schein-Dialog und eine Farce der Bürgerbeteiligung zugunsten des industriellen Zeitplans.
    Es handelt sich nicht um ein wirkliches demokratisches Verfahren, denn die Beteiligung erfolgt ohne tatsächliche Mitsprache, es geht nur darum, den Anschein zu wahren. Bei der Tragweite dieses Projektes mit europäischer Dimension hätten alle Anrainerstaaten wirksam eingebunden werden müssen.
  3. Die Illusion der Endlagerung: Die Lagerung von hochradioaktiven, langlebigen Abfällen ist ein unlösbares ethisches Problem. Es gibt keine Technologie, die eine hundertprozentige Sicherheit über Zeiträume von 10.000 Jahren und mehr garantieren kann. Mit Cigéo bürden wir künftigen Generationen eine tickende Zeitbombe auf, für die sie keine Verantwortung tragen.
    Wo und wie der Müll am Ende dauerhaft gelagert wird, sollte eine fundierte wissenschaftliche Entscheidung sein, keine politische. Da aber mit der Vorfestlegung auf Bure andere Standorte und Lagerverfahren ausgeschlossen wurden, bleibt die grundlegende Fragwürdigkeit des Standorts Bure im Lehm-Ton-Gestein – und auch hier gilt: bisherige geologische Zeiträume und Vorhersagen können durch den beschleunigten Klimawandel nicht mehr so sicher eingeschätzt oder wahrscheinlich prognostiziert werden, das gilt für geologische Stabilität und mögliche tektonische Verschiebungen sowie hydrogeologische Gegebenheiten. Es fehlen Vorkehrungen und Maßnahmenpläne für die Rückholbarkeit des Atommülls sowie für den Umgang mit hochradioaktivem Material im Havariefall.

Unsere Forderung: Sofortiger Stopp von Cigéo!

Wir fordern die sofortige Einstellung des Cigéo-Projekts! Es ist ethisch unverantwortlich und technisch nicht abschließend nachgewiesen, dass diese Langzeitlagerung sicher ist. Die Atomaufsicht lässt sich hier von der Atomlobby instrumentalisieren.

Die einzig sichere Lösung für Atommüll ist, ihn gar nicht erst zu produzieren!
Cattenom muss abgeschaltet werden, und die Endlagerpläne in Bure müssen gestoppt werden!

17/12/2025

Cattenom
CIGEO
Radioaktiver Abfall

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