Heißer als Atomkraft – für einen schwarzen Frühling 2026!

Aufruf

zu einer militanten Offensive gegen CIGEO,
die Atomkraft und ihre beschissene Welt!

Es scheint, als habe die Anti-Atomkraft-Bewegung in Frankreich und weltweit ihren Höhepunkt längst überschritten. Und doch rückt das Thema Atomenergie heute wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Wenn wir auf die aktuellen militärischen Konflikte zwischen verschiedenen Atommächten schauen, die fast bereit sind, den Knopf zu drücken, der das globale Kräfteverhältnis neu ordnen würde; wenn wir uns die Entwicklung des nationalen „zivilen” Atomprogramms (Wiederbelebung der Atomkraft) vergegenwärtigen oder die schrittweise Umsetzung eines völlig unverantwortlichen Konzepts zur Entsorgung radioaktiver Abfälle, dann macht das unseren Blick in die Zukunft noch zusätzlich düsterer.

Wir wollen hier nicht alle Argumente wiederholen, die gegen den Einsatz dieser Technologie zur Beherrschung der Bevölkerung und – aus militärischer Sicht – zur totalen Zerstörung sprechen. Diese wurden in der Vergangenheit bereits ausreichend dargelegt und dokumentiert. Dieser Text konzentriert sich vielmehr auf den aktuellen Stand der Anti-Atomkraft-Bewegung in Frankreich sowie auf die sich daraus ergebenden Handlungsmöglichkeiten aus anarchistischer Sicht.

  • Wie stehts derzeit?

2025 war ein ereignisreiches und arbeitsreiches Jahr für den Kampf gegen die Atomenergie in Bure und darüber hinaus. Auf der einen Seite standen massive Enteignungen durch die ANDRA, die sich landwirtschaftliche Flächen sowie den ehemaligen Bahnhof von Luméville (einer der Orte des Widerstands und der Organisation gegen Cigéo) aneignete, und die Fortschritte bei den Vorarbeiten innerhalb und außerhalb des Labors, andererseits die Besetzung des Bahnhofs, das Camp „September infini” und die entschlossene Demonstration im selben Monat. Auch anderswo, in La Hague, kam es zu sichtbaren Protesten gegen die Erweiterung der Abklinganlage für abgebrannte Brennelemente unter dem Motto: Weder in La Hague noch in Bure noch anderswo wollen wir radioaktive Mülldeponien! Auch wenn der Widerstand gegen das zivile und militärische Atomprogramm Frankreichs gemessen am Ausmaß des Problems für heutige und zukünftige Generationen relativ gering bleibt, stellen wir eine gewisse positive Dynamik innerhalb der gesamten Anti-Atomkraft-Bewegung fest. Und diese ist absolut notwendig, denn in Zukunft wird die Bewegung und mit ihr die gesamte Menschheit vor großen Herausforderungen stehen.

Derzeit ist der Bahnhof noch immer besetzt, aber es ist unklar, wie lange dies noch andauern wird. Die Besetzer*innen rufen weiterhin dazu auf, sich ihnen anzuschließen und sie zu unterstützen, insbesondere durch Solidaritätsaktionen; sie haben auch einen Aufruf für den Fall eines Räumungsversuchs gestartet. Wir unterstützen diese Aufrufe und halten es für sinnvoll, im Voraus einen Aktionsplan für den Fall eines Angriffs auf den Bahnhof auszuarbeiten. Wenn die Besetzung erfolgreich fortgesetzt wird – was wir den Besetzern natürlich wünschen –, kann es jedoch problematisch und einschränkend sein, sich nur auf die lokale Situation zu konzentrieren. Angesichts des Fortschritts der Arbeiten an CIGEO halten wir es für schädlich, eine abwartende Haltung einzunehmen, anstatt in die Offensive zu gehen. Wir wollen aber auch nicht diese Ansätze gegeneinander ausspielen, um zu bestimmen, welcher der „beste” ist, denn die juristische Offensive hat sich in ihrer eigenen Strategie wiederholt als wirksam erwiesen. Wir sind der Meinung, dass sich die Praktiken des Widerstands gegenseitig ergänzen und verstärken müssen, und in diesem Sinne ist unser aktueller Vorschlag zu verstehen.

  • Der konkrete Vorschlag:

Unabhängig davon, wie sich die Situation am Bahnhof entwickelt, rufen wir dazu auf, die Frühlingsmonate zu nutzen, um eine massive Aktionswelle gegen die laufenden Projekte, die Geldgeber und die Komplizen der Atomindustrie zu starten, und zwar gezielt, dezentral, subversiv und autonom. Wir möchten auch die im radikalen Umweltkampf aktiven Gruppen dazu auffordern, die Aspekte der Atompolitik in ihren Diskursen stärker in den Vordergrund zu rücken und sich so in einer kämpferischen und solidarischen Perspektive mit dem Widerstand in Bure und der Anti-Atomkraft-Bewegung im Allgemeinen zu verorten. Wir rufen außerdem dazu auf, diese Aktionen und Forderungen ausdrücklich im Kontext dieses Aufrufs „Für einen schwarzen Frühling 2026” zu verorten, um auf informeller und autonomer Basis eine kollektive Dynamik zu schaffen, eine gemeinsame Haltung voranzutreiben und uns so gegenseitig zu stärken.

Es liegt auf der Hand, dass eine Kampagne, die sich speziell gegen ein Unternehmen richtet, das neben der ANDRA am Bau von CIGEO beteiligt ist, eine größere öffentliche Aufmerksamkeit erregen und diesem Unternehmen größeren wirtschaftlichen Schaden oder Druck zufügen könnte. Wir haben uns dennoch entschlossen, zu einem „schwarzen Frühling” gegen den gesamten Nuklearkomplex aufzurufen. Damit wollen wir einerseits die Beteiligung autonomer Strukturen außerhalb von Bure ermöglichen und andererseits einer Tendenz entgegenwirken, die wir als eher reduktionistisch betrachten: die Beschränkung der Kritik an der Kernenergie auf lokale Fragen oder die Entsorgung der dabei anfallenden Abfälle.

Wir sind nämlich überzeugt, dass die Anti-Atomkraft-Bewegung nur dann einen Sieg erringen kann, wenn es ihr gelingt, die engen Verbindungen zwischen der Atompolitik und den drängenden Fragen unserer Zeit stärker als bisher aufzuzeigen und daraus Konsequenzen in Bezug auf eine Annäherung zu ziehen. Dies gilt nicht nur für globale soziale Herausforderungen wie den Klimawandel und die Ausbeutung von Bodenschätzen, die neue kolonialistische Ambitionen schüren, sondern auch für militärische Herausforderungen, die zu verheerenden Konflikten führen und auch in den kommenden Jahren zu befürchten sind. Denn die militärische Nutzung, der ungebremste Hunger nach Energie und Ressourcen für die Entwicklung von KI, Big Data & Co. sowie der Mythos eines angeblich sauberen Übergangs in diesem Sektor sind die Haupttreiber für die aktuelle Entwicklung des weltweiten Atomprogramms.

  • Die Räder ein bisschen mehr zum Stillstand bringen

Mit diesem Aufruf beziehen wir uns bewusst auf die sehr erfolgreiche Kampagne „Begrüße den Frühling – verbrenne einen Tesla“, die im ersten Halbjahr 2025 nicht nur gegen Elektromobilität und die empörende Datenerfassung durch Unternehmen mobilisierte, sondern auch die Verbindungen zwischen der Technologieoligarchie und dem aufkommenden Faschismus hervorhob.

Mit diesem Aufruf „für einen schwarzen Frühling 2026” rufen wir dazu auf dafür zu sorgen, dass nicht radioaktive Abfälle, sondern das CIGEO-Projekt im Untergrund der Maas endgültig begraben wird; wir ermuntern dazu, gleichzeitig zu versuchen, die Räder der techno-industriellen Atommaschine und ihrer Betreiber noch ein wenig mehr zum Stillstand zu bringen. Wir glauben jedoch, dass es höchste Zeit ist, ehrlich zu sein. Im Zweifelsfall bedeutet das womöglich auch, eigene Schwäche einzugestehen.

Direkte Aktion und Sabotage können ein Mittel sein, diese Schwäche zu überwinden und gemeinsam voranzukommen. Dies gilt jedoch nur, wenn wir die militante Option als das verstehen, was sie ist: ein strategisches Instrument und kein Bekenntnis zu einer radikalen politischen Identität. Dazu muss die Tragfähigkeit solcher Aktionsstrategien in der Praxis überprüft werden. Lasst uns gemeinsam danach suchen – wir erwarten voller Ungeduld eure Beiträge!

Sie können alle Blumen ausreißen, aber sie können den Frühling nicht verhindern!
(sagt ein kurdisches Sprichwort)

27/01/2026

manif-est

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